Skulptur von

K.H. Hödicke

Kaspar

Foto: Raffaele Horstmann

Informationen zur Skulptur

Künstler

K.H. Hödicke

Skulptur

Kaspar (Gußexemplar 2/6)

Material

Bronze

Grösse

225 x 120 x 80 cm

Entstehungsjahr

1985

Aufstellungsort

seitlich vor dem Haupteingang des Kreishauses des Kreises Viersen erworben über die Galerie Wolfgang Gmyrek, Düsseldorf

Weiteres

In der Sammlung seit 1989.

Weitere Bilder

Die Skulptur aus weiteren Perspektiven

Kaspar Hauser, das mysteriöse Findelkind von Nürnberg, mag den Betrachterinnen und Betrachtern in den Sinn kommen, wenn sie die bronzene Bildsäule zwischen Kreishaus und Städtischer Galerie umrunden und betrachten. Oder vielleicht der „Kasperl“, eine der ältesten Figuren im deutschsprachigen Puppentheater. Oder einer der Heiligen Drei Könige. 

Die von Karl Horst Hödicke geschaffene Skulptur ist verwirrend und voller Gegensätze und Spannung. Als einer der wegweisenden Künstler einer Neuen Figuration bewegt sich der Bildhauer in seiner Viersener Arbeit von 1985 auf einem schmalen Grat zwischen Abstraktion und Figuration.  

Auf einem Sockel, der aus drei unregelmäßig ineinander verschmelzenden Kuben geformt ist, hockt breitbeinig eine Gestalt, die sich an den Unterbau klammert: Ihr Bauch ist eine Kugel, der „Hals“, aus dem die Hände mit gespreizten Fingern herausragen, als würden sie um Hilfe flehen, ist ein offener Kubus. Darüber erhebt sich eine weitere kubische Form, auf der ein Gesicht aufgesetzt ist. Die Umklammerung um den Unterbau entsteht dadurch, dass das rechte Bein sich gerade am Sockel festzuhalten scheint, während das linke leicht nach hinten abgespreizt ist. Die Figur scheint mehrere Gesichter zu besitzen. Das zentrale Gesicht ist ein maskenhaftes, reliefartiges Porträt mit gesenktem Blick und geöffnetem Mund. An der Seite entdeckt der Passant etwas, das an einen weit geöffneten Mund erinnert, an der gegenüberliegenden ist daraus nur noch eine kleine Öffnung geworden.

Nicht nur der Kaspar selbst ist durch die Vielfältigkeit der Darstellung in Bewegung geraten, auch seine raue, grobe Oberfläche korrespondiert mit dieser Dynamik. 

In der Umrundung ändert sich der Eindruck der Skulptur permanent, sie scheint sich auf verwirrende Weise zu verändern. Es mag eine Hauptansicht geben, doch ist diese nicht losgelöst von den übrigen Perspektiven denkbar.

Die Arbeit entstand in einer Zeit, in der sich die Bildhauerinnen und Bildhauer auf neue Weise mit dem Abbild des Menschen auseinandersetzten – sich zwar auf den Schultern ihrer künstlerischen Ahnen bewegend, dabei jedoch die Traditionen hinter sich lassend. In ihre Werke integrierten sie zunehmend die psychische Verfasstheit des modernen Menschen. So ist Kaspar als Bild der Zerrissenheit des Menschen zu sehen. 

Es war der König Kaspar, der Weise aus dem Morgenland, an den Karl Horst Hödicke in der Gestaltung seiner Skulptur gedacht hatte. Kaspar war einer, der dem Stern gefolgt ist, den Weg zur Krippe gefunden hat und selbst Wegweiser war. Als Standort wählte der Künstler bewusst den Platz zwischen Galerie und Kreishaus, auf dem die Passanten zwischen vielen Wegen wählen können – und sich dabei von einem der Arme der Skulptur beraten lassen können.

Autorin: Sigrid Blomen-Radermacher

Biografie & künstlerischer Werdegang

K.H. Hödicke

Karl Horst Hödicke (*1938 in Nürnberg, † 2024 in Berlin). Karl Horst Hödicke flüchtete 1945 mit seiner Familie nach Wien, 1957 erfolgte der Umzug nach Berlin. Er studierte 1959 bis 1964 an der Hochschule für Bildende Künste bei Fred Thieler. 1961 wurde er Mitglied der neoexpressionistischen Künstlergruppe Vision. Er beteiligte sich an der Gründung der Ausstellungsgemeinschaft Großgörschen 35 in Berlin. Ab 1974 lehrte er als Professor an der Hochschule der Künste in Berlin.

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