20. April 2026

Vorgestellt – Der Verein Förderung der Erinnerungskultur – Viersen 1933-45

Foto nebenstehend: Manfred Budel
Unser Kooperationspartner – Erinnerungskultur als Aufgabe
Text: Manfred Budel
Inhaltsverzeichnis

Der Verein „Förderung der Erinnerungskultur – Viersen 1933-45“ recherchiert sowohl Opferschicksale als auch Biografien von „Beteiligten“ (Täter und Mitläufer). Diese sind bisher gar nicht oder nur in Teilen erforscht und veröffentlicht.

Hierbei kooperiert der Verein mit der Johannes-Kepler-Realschule in Süchteln und der „Lebenshilfe“. Gemeinsam erfolgt eine Publikation der Forschungsergebnisse in der über das Internet frei zugänglichen Datenbank „Virtuelle Gedenkstätte Viersen“. Dort sind aktuell ca. 3.500 NS-Opfer und 4.700 Beteiligte erfasst, ebenso wie die wenigen „Unbesungenen Helden“, d.h. Menschen, die Verfolgte unter Gefährdung ihres eigenen Lebens versteckten. Sie können über eine Stadtkarte oder eine Namensliste recherchiert werden. Zielgruppengerecht können Inhalte auch in einfacher und schülergerechter Sprache gelesen bzw. angehört werden. Die Nachforschungen sind längst nicht abgeschlossen.

Die Ausstellung zum Thema Euthanasie und Zwangssterilisation wurde im Albertus-Magnus Gymnasium Dülken präsentiert. (Budel)

Ziel dieser Recherchen ist vorrangig, Opfer vor Vergessenheit zu bewahren, ihnen vielmehr Namen und Gesicht zu verleihen. Des Weiteren sollen die dokumentierten Schicksale mahnen, dass sich Untaten der Nazis nie wiederholen dürfen. Der Rechtsradikalismus ist auf dem Vormarsch. Jüdische Mitbürger, Menschen mit Behinderung, Einwohner mit Migrationshintergrund, Homosexuelle, Roma und Sinti…  Heute erleben Bevölkerungsgruppen wieder Anfeindungen. Auch in unserer Region werden Fensterscheiben der „Lebenshilfe“ eingeworfen, ein jüdisches Mahnmal mit antisemitischen Schmierereien und einem Hakenkreuz verunstaltet. Ebenso wurde gerade ein queeres Zentrum mit Hakenkreuz und dem Schrifttum „Wir kommen“ in bedrohlicher Weise beschmiert. „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“ (Berthold Brecht)

Der Vorstand des Vereins: v. li. n. re. Erwin Riether, Manfred Budel,
Beatrix Wolters, Michael Meerkötter und Julietta Breuer

 

Beatrix Wolters und Manfred Budel bei einer Führung zum „Jüdischen Rintgen“. (Manfred Budel)

Zielgruppe für alle Vereinsaktivitäten sind in erster Linie junge Menschen. Ihnen wird vermittelt, dass Gräueltaten nicht nur „weit weg“ in Konzentrationslagern begangen wurden, sondern auch „vor unserer Haustür“, in der eigenen Stadt. Hier wurden geistig behinderte Menschen ebenso wie Kommunisten ermordet, Menschen von der Gestapo gefoltert, Einweisungen in KZ, Enteignungen („Arisierung“) in großem Umfang realisiert. Damals haben (fast) alle weggeschaut. Als Teil der Zivilgesellschaft ist jeder gefordert, hinzusehen und in seiner Gemeinde für die Demokratie einzustehen.

Die Wissensvermittlung erfolgt durch Stadtführungen, Buch-, Aufsatz- und sonstigen Veröffentlichungen in Presse und Social Media, Diskussionsrunden, Kundgebungen und Ausstellungen. Hierzu gibt es vielfältige Kooperationen, z.B. mit Schulen (Anne-Frank-Gesamtschule Viersen, Max-von-der-Grün-Hauptschule Süchteln), dem „Verein für Heimatpflege e.V. Viersen“, der LVR-Klinik Süchteln, dem „Demokratie-Netzwerk Viersen“, Bürgerinitiativen und anderen. Unser Verein ist Mitglied des Beirates der NS-Dokumentationsstelle beim Kreisarchiv. Ein Schwerpunkt unserer Tätigkeit liegt in der Verlegung von „Stolpersteinen“ unter Beteiligung von Schülerinnen und Schülern. Die nächste erfolgt im Januar 2027.

Der Verein bzw. einzelne Vorstandsmitglieder wurden für diese Arbeit mehrfach ausgezeichnet (Inklusionspreis des Landes NRW, LVR Rheinlandtaler, Heimatpreis der Stadt Viersen, Stadtplakette Viersen).

Homepage des Vereins

Homepage der Virtuellen Gedenkstätte

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